Archiv der Kategorie: Kosmetik

Produktionsinformationsdatei (PID)

Jedes Produkt unterliegt einem Lebenszyklus. So auch alle kosmetischen Produkte. Deshalb hat der Gesetzgeber in der Kosmetik-Verordnung (EG) 1223/2009 festgelegt, dass für jedes Produkt eine sog. Produktinformationsdatei (PID) erstellt wird. Der Inhalt einer PID ist zwar weitestgehends mit den bekannten Aufzeichnungen aus der Vergangenheit identisch, aber es gibt auch einige Neuigkeiten.

Hintergrund der PID ist ein möglichst breites Wissen um das kosmetische Produkt. So gehören neben der Rezeptur und den physikalisch-chemischen Eigenschaften auch die mikrobiologische Qualität und die Wirkungsweise des kosmetischen Produktes beim Menschen zu den geforderten Daten und die Sicherheitsbewertung. Die Beschreibung der Herstellungsmethode und eine Erklärung zur Einhaltung der Guten Herstellpraxis (GMP) ist ebenfalls Bestandteil der PID. Die GMP fordert u.a. die Nachverfolgbarkeit von Rohstoffen und Fertigprodukten. D.h., der Hersteller hat alle Daten über die Rohstoffe und kann die Auslieferung der Chargen an seinen Kunden nachweisen. Der Kunde führt wiederum den Nachweis der einzelnen bezogenen Chargen an seine (End-)Kunden. So schließt sich der Kreis. Hat ein Konsument ein Problem mit einem kosmetischen Produkt, so läßt sich nachverfolgen, ob  evtl. ein Rohstoff die Ursache verursacht hat. Anders herum lassen sich bei einer fehlerhaften Rohstoffcharge die Konsumenten ausfindig machen, die evtl. vor dem Gebrauch gewarnt werden müssten (Rückrufaktion).

In der PID sind also alle Daten zu einem kosmetischen Produkt zu finden. Von der Entwicklung über die Produktion bis zum Konsumenten. Ebenso finden Rezepturänderungen ihren Eingang in die PID, solange es unter gleichem Label verkauft wird. Die Daten müssen bis 10 Jahre nach der letzt gefertigten Charge aufgehoben werden. Ein Vorteil für den Hersteller, da ansonsten nach BGB bei Möglichkeit von Personenschäden die Beweispflicht 30 Jahre lang existiert.

Notifizierung von Kosmetika

Am 11.07.2013 werden die nationalen Kosmetikverordnungen in der Europäischen Union durch die EU-KosmetikV (EG) Nr. 1223/2009 vom 30. November 2009 abgelöst. Neu ist die in Artikel 13 beschriebene Notifizierung aller kosmetischen Produkte, die in der EU auf den Markt gebracht werden. Über die alten Verfahren, in Deutschland z.B. SYSDECOS können dann keine Anmeldungen mehr vorgenommen werden. EU-weit wurde dafür das neue System Cosmetic Products Notification Portal  (CPNP) im Januar 2012 in Betrieb genommen. Das Portal wird von der Europäischen Kommission betrieben und ermöglicht die zentrale Erfassung aller Daten für kosmetische Produkte. Der Vorteil von CPNP ist, das alle Daten zentral für die Giftinformationszentren und die zuständigen Behörden zur Verfügung stehen. Für den Hersteller oder Importeur liegt der Vorteil darin, dass er die Anmeldung nur einmal durchführen muss und er das Produkt ohne weitere regionale Datenerfassung EU-weit vertreiben darf.

Kosmetische Produkte, die bereits heute verkauft werden, müssen bis zu diesem Datum über CPNP angemeldet worden sein. Die Notifizierung über CPNP beinhaltet nur Daten zu Hersteller, Produktname, Herkunftsland, Rahmenrezeptur, verantwortliche Person etc. Bei der Notifizierung handelt es sich deshalb nicht um eine Zulassung. Auch wird keine inhaltliche Prüfung der Daten vorgenommen.  Die Sicherheitsbewertung des Produktes darf nur von Experten vorgenommen werden.

Die über CPNP erfassten Daten sind öffentlich nicht zugänglich. Sie werden vertraulich behandelt und Behörden / Giftinformationszentren erhalten jeweils die Daten, die für ihren Auftrag notwendig sind.

 

Vaseline in der Kosmetik

Vaseline ist oft Bestandteil von Kosmetika und Pharmazeutika. In der zertifizierten Naturkosmetik ist Vaseline verpönt, da es aus Erdöl gewonnen wird. Ein Problem, welches Händler vielfach von ihren Kunden hören. Doch was ist wirklich daran?

1872 ließ der Chemiker Robert Chesebrough den Markennamen Vaseline schützen. Im angelsächischen wird es heute noch als Petroleum Jelly bezeichnet. Chesebrough hatte bei Erdölarbeiten ein gelartiges Produkt entdeckt und so aufgearbeitet, das man es ohne die schmierigen Ölbestandteile verwenden konnte. Er war andiesem Produkt deshalb interessiert, weil die Arbeiter zufällig herausgefunden hatten, dass dieses Schmiermittel Brand- und Schürfwunden besser heilen ließ. Quelle: Chemie.de Information service GmbH

Chemisch besteht Vaseline aus einem Gemisch von höheren Kohlenwasserstoffen mit einem Schmelzpunkt zwischen 38°C und 56°C. Man unterscheidet zwischen der gelben Vaseline und der weissen Vaseline.

Die gelbe Vaseline ist ein technische Produkt, welches auch als Schmiermittel eingesetzt wird und welches aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten kann. Aufgrund dieses Anteils an aromatischen Kohlenwasserstoffen, der i.d.R. kleiner als 0,1 % ist, wird es in der SVHC Liste (Candidate List of Substances of Very High Concern for authorisation) aufgeführt.

Die weisse Vaseline entsteht durch Aufbereitung des technischen Produktes, indem man die aromatischen Kohlenwasserstoffe entfernt. Die weisse Vaseline oder auch Petrolatum genannt, wird unter der CAS-Nr. 8009-03-8 geführt. Die Spezifikation entspricht dem Deutschen Arzneimittelbuch (DAB) bzw. dem Europäischen Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea, Ph. Eur.). In Kosmetika und Phamazeutia wird ausschließlich die weisse Vaseline eingesetzt.

Einige Kommentare zu den Vor- und Nachteilen von Vaseline:

Naturkosmetik – zertifizieren oder nicht?

Viele Konsumenten wünschen sich eine Kosmetik, die ihrer Haut nicht schadet oder die keine Allergien hervorruft. Dabei soll die Naturkosmetik helfen. Der Begriff Naturkosmetik ist aber nicht definiert. Um diesem Umstand abzuhelfen, wurden einige Institutionen ins Leben gerufen, die versucht haben diesen Begriff für sich zu definieren. Anwender, die nach diesen Vorgaben formulieren, haben dann die Möglich, ihr Produkt zertifizieren zu lassen. Einige der in Deutschland bekanntesten Unternehmen sind ecocert in Frankreich, NaTRUE oder der Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V., der BDIH.

Der Nachteil der fehlenden Begriffsbestimmung kommt aber sehr schnell zu Tage, da sich allein diese drei Institutionen auf keinen gemeinsamen Nenner einigen können. So kann es passieren, dass ein Stoff bei einem erlaubt ist, aber bei dem anderen verboten ist.

Was also tun? Ich bin der Meinung, dass die verwendeten Substanzen auf jeden Fall dem Konsumenten helfen sollen, sein kosmetisches Problem zu lösen. Dabei sollen keine oder nur minimale Nebenreaktionen den Verwender belasten. Ein natürlicher Stoff ist nämlich nicht zwangsläufig auch harmlos. Nehmen Sie z.B. die Tollkirsche, in kleinen Dosen lebensrettend, in Übermaß tödlich. Ein Extrembeispiel, aber es zeigt, wie gefährlich auch ein Naturstoff sein kann.

Auslöser für Allergien, Reizungen etc. sind oftmals nicht die Hauptsubstanzen, sondern die Nebenbestandteile. Zigarettenrauch hat. z.B. mehr als 1000 Substanzen in kleinsten Mengen. Welcher ist allergieauslösend? Welcher ist krebsauslösend? In welcher Zusammensetzung? Das sind die Fragen, die die Chemiker untersuchen und möglichst aufklären wollen. Genauso ist es mit Substanzen für die Kosmetik. Natürliche Öle haben z.B. eine unterschiedliche Zusammensetzung, je nachdem ob die Pflanzen viel Sonne bekommen haben oder wenig. Je nach Zusammensetzung des Bodens. Dadurch können sich z.B. auch Metallverbindungen im Öl anreichern. Wann wird also eine Naturkosmetik schädlich?

Da noch zu viele Fragen ungelöst sind, befürworte ich Rezepturen, die aus definierten Substanzen erstellt werden. Diese Substanzen können natürlichen Ursprungs sein, aber genau so gut auch synthetisiert worden sein. Wichtig ist, nach dem Stand der Wissenschaft die Substanzen zu verwenden, die das kleinste Übel für den Konsumenten versprechen.