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Untersuchungsbericht 2012 des BVL

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) räsentierte am 12.11.2013 die Untersuchungsergebnisse aus dem Jahre 2012. Das BVL untersucht zwar schwerpunktmäßig die Lebensmittelbetriebe, aber auch Fertigungsbetriebe für Bedarfsstände, also z.B. Kosmetikhersteller.

In Deutschland existieren gut 1,2 Mio Betriebe, wovon ca. die Hälfte in 2012 kontrolliert wurde, teils sogar mehrfach. Ca. 20% der Betriebe wiesen Verstöße auf, die zu formellen Maßnahmen seitens der Behörde führten. Die meisten Verstöße (etwa 96%) lagen wie in den Vorjahren im Bereich der Hygiene und der Kennzeichnung.

Im Bereich der kosmetischen Mittel wurden Kosmetika aufgedeckt, die als parfümfrei deklariert wurden, aber trotzdem Allergene enthielten. Untersucht wurden 122 Hauptpflegeprodukte, 18 Produkte für die Körperreinigung und 46 Deoprodukte. Die Beanstandungsquote lag bei 20%!

Ein weiterer Schwerpunkt der Kontrollen lag bei der Überprüfung der Rückverfolgbarkeit, zu dem es für kosmetische Mittel allerdings keine dedizierten Aussagen gibt.

Supply Chain Management (SCM)

Der Begriff Supply Chain Managment (SCM) wurde erst ca. 1980 zum ersten Mal verwendet. Im Zuge der Globalisierung stellte man fest, dass die werkseigenen Lieferketten nicht mehr ausreichten. Dazu zählen im wesentlichen die Beschaffung, Lagerung, Arbeitsvorbereitung, Fertigung, Distribution und Versand. Um preisgünstig zu fertigen, wurden Zwischenprodukte von externen Fertigern hergestellt und das eigentliche Fertigprodukt dann im eigenen Werk. Die diskreten Hersteller (z.B. Automobilindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik) waren der Vorreiter und die IT-Systeme waren primär für diesen Zweig zugeschnitten. Man erkennt so ein IT-System leicht daran, das von Stücklisten geredet wird.

Die Prozeßindustrie (z.B. Chemie, Pharma, Nahrung und Genußmittel) arbeitet mit Rezepturen und hat spezifische Anforderungen an die IT-Systeme. Die IT-Systeme übernehmen dabei eine sehr wichtige Funktion, nämlich die Kommunikation zwischen den verschiedenen Werken:

  • Zwischenprodukte müssen eine bestimmte Spezifikation erfüllen.
  • Um die Lagerbestände möglichst klein zu halten, muss die Menge der Fertigung rechtzeitig an die vor- und nachgeschalteten Fertiger übermittelt werden.
  • Fertigungen müssen oft chargenrein erfolgen.
  • aber auch Vertragsdetails
  • Support

Die Liste ist nicht vollständig und soll nur einen kurzen Einklick in die Komplexität geben. Zusätzlich wird über Produktions- Planungssysteme (PPS) das Fertigprodukt geplant.

Für kleinere Unternehmen läßt sich dieser Aufwand reduzieren, indem man die Abläufe gut plant und nur dort IT einsetzt, wo es erforderlich ist. Die Fertigung erfolgt meist im Batch in kleineren Losgrößen. Für die Nachverfolgbarkeit ist die IT allerdings dringend zu empfehlen. Ebenso für die Dokumentation der Herstellung, die nach GMP (good manufacturing practise) erfolgen soll.

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Produktionsinformationsdatei (PID)

Jedes Produkt unterliegt einem Lebenszyklus. So auch alle kosmetischen Produkte. Deshalb hat der Gesetzgeber in der Kosmetik-Verordnung (EG) 1223/2009 festgelegt, dass für jedes Produkt eine sog. Produktinformationsdatei (PID) erstellt wird. Der Inhalt einer PID ist zwar weitestgehends mit den bekannten Aufzeichnungen aus der Vergangenheit identisch, aber es gibt auch einige Neuigkeiten.

Hintergrund der PID ist ein möglichst breites Wissen um das kosmetische Produkt. So gehören neben der Rezeptur und den physikalisch-chemischen Eigenschaften auch die mikrobiologische Qualität und die Wirkungsweise des kosmetischen Produktes beim Menschen zu den geforderten Daten und die Sicherheitsbewertung. Die Beschreibung der Herstellungsmethode und eine Erklärung zur Einhaltung der Guten Herstellpraxis (GMP) ist ebenfalls Bestandteil der PID. Die GMP fordert u.a. die Nachverfolgbarkeit von Rohstoffen und Fertigprodukten. D.h., der Hersteller hat alle Daten über die Rohstoffe und kann die Auslieferung der Chargen an seinen Kunden nachweisen. Der Kunde führt wiederum den Nachweis der einzelnen bezogenen Chargen an seine (End-)Kunden. So schließt sich der Kreis. Hat ein Konsument ein Problem mit einem kosmetischen Produkt, so läßt sich nachverfolgen, ob  evtl. ein Rohstoff die Ursache verursacht hat. Anders herum lassen sich bei einer fehlerhaften Rohstoffcharge die Konsumenten ausfindig machen, die evtl. vor dem Gebrauch gewarnt werden müssten (Rückrufaktion).

In der PID sind also alle Daten zu einem kosmetischen Produkt zu finden. Von der Entwicklung über die Produktion bis zum Konsumenten. Ebenso finden Rezepturänderungen ihren Eingang in die PID, solange es unter gleichem Label verkauft wird. Die Daten müssen bis 10 Jahre nach der letzt gefertigten Charge aufgehoben werden. Ein Vorteil für den Hersteller, da ansonsten nach BGB bei Möglichkeit von Personenschäden die Beweispflicht 30 Jahre lang existiert.